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Westbalkan

Der „Westbalkan“ umfasst gemäß einer Definition der Europäischen Union die Länder Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Nach dem Zerfall des Ostblocks war die Region mit einer Reihe erheblicher gesellschaftlicher Erschütterungen konfrontiert. Dazu zählten vor allem die schweren Konflikte im Zusammenhang mit der Auflösung des ehemaligen Jugoslawiens in den 1990er Jahren. In der Folgezeit kamen bei dem Übergang zu marktwirtschaftlichen Systemen wirtschaftliche Schwierigkeiten infolge der globalen Finanzkrise von 2008 erschwerend hinzu. Die Bundesrepublik hat sich über verschiedene Initiativen bemüht, Beiträge zu einer friedlichen Entwicklung der Region zu leisten.

BMEL ist bereits im Jahr 2016 in einen Dialog mit den Westbalkanstaaten im Rahmen der "Regional Rural Development Standing Working Group (SWG)" mit der Absicht getreten, die Zusammenarbeit im Agrarbereich durch die SWG zu stärken und Interessen in der Region zu bündeln. SWG ist eine bereits im Jahr 2005 gegründete internationale, zwischenstaatliche Organisation, die sich aus den für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständigen Regierungsinstitutionen der Länder des Westbalkans zusammensetzt. Die Stärkung der regionalen Kooperation im Bereich Landwirtschaft und ländliche Räume steht bei der Arbeit des SWG im Vordergrund. Das BMEL ist bestrebt, diese Prozesse weiterhin zu unterstützen.

Die Westbalkanstrategie der EU sieht zwischen 2018 und 2020 vor, im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit den Westbalkan-Staaten konkrete Maßnahmen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Migration, sozioökonomische Entwicklung, Anbindungen an die Verkehrs- und Energienetze, digitale Agenda sowie Aussöhnung und gutnachbarliche Beziehungen umzusetzen. Alle Westbalkan-Staaten teilen die Erwartung, der EU beizutreten. Die Perspektiven sind jedoch unterschiedlichen Bedingungen unterworfen. Mit Montenegro und Serbien laufen Beitrittsverhandlungen. Einer Empfehlung der EU Kommission von April 2018, mit Nordmazedonien und Albanien Beitrittsverhandlungen zu eröffnen, ist der Europäische Rat bislang nicht gefolgt. Bosnien-Herzegowina hat einen Beitrittsantrag erst Anfang des Jahres 2016 gestellt.

Die Europäische Union ist der größte Handelspartner der Region. Dreiviertel der Handelsströme der Region gehen in die EU. Im Jahr 2017 betrug das Handelsvolumen 47,6 Mrd. EUR. In Serbien gehören Weizen, Obst und Gemüse zu häufig exportierten Gütern. In Bosnien-Herzegowina stellen Mineralien und Holz rund die Hälfte aller Ausfuhren dar. Albanien exportiert verarbeitete Nahrungsmittel, Textilien und Baumwolle und importiert hauptsächlich Nahrungsmittel und Maschinen. Montenegro exportiert vor allem Gemüse, Getreide, Kartoffeln, Tabak, Wein, Zitrusfrüchte, Oliven und Feigen. Kosovo handelt kaum mit Produkten aus der Landwirtschaft. Nordmazedoniens wichtigste Exportprodukte sind hingegen Nahrungsmittel, Wein und Tabak. In den Westbalkanstaaten mit Ihren 18 Millionen Einwohnern steigt insgesamt auch die Inlandsnachfrage.

Klimatisch ist die Region westlich des Balkangebirges durch ein vorwiegend submediterranes Klima charakterisiert. Von besonderer Bedeutung ist die große biologische Vielfalt mit vielen endemischen Tier- und Pflanzenarten. Die ländlichen Gebiete der Westbalkanregion weisen die Problematik einer übermäßigen Beanspruchung von Böden in der Landwirtschaft auf. Tendenziell entwickelt sich die Landwirtschaft dieser Länder in Richtung Intensivierung bestimmter Betriebe und Aufgabe vieler kleiner Betriebe. Auch diese Länder sind zunehmend von negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen, weshalb eine Thematisierung im gemeinsamen Dialog nicht ausbleiben darf.

(Stand: Oktober 2019)

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