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Projekte

Deutsch-Kasachischer Agrarpolitischer Dialog

1. Das Projekt

Das Deutsch-Kasachische Agrarpolitische Dialog (APD) begann im Oktober 2009 und hat seinen Sitz in der kasachischen Hauptstadt. Das Projekt fördert den Austausch zwischen der deutschen und der kasachischen Agrarwirtschaft. Dabei werden deutsche und europäische Erfahrungen gezielt eingebracht, um eine die Entwicklung einer modernen und ressourcenschonenden Agrarpolitik in Zentralasien zu fördern. Dies erfolgt über Beratung durch spezialisierte deutsche Experten; durch Beiträge zu agrarpolitischen Strategiepapieren und die Durchführung von Konferenzen, Runden Tische und fachspezifischen Seminare sowie auch dem Ausbau deutsch-kasachischer Kontakte durch Fachinformationsreisen nach Deutschland.

Der Ansatz des APD orientiert sich an der Interessenslage der kasachischen Partner und den Herausforderungen der nationalen und internationalen Agrarpolitik, Wichtige aktuelle Themen in der Zusammenarbeit sind:    

  • Klimaschutz und Klimaanpassungen in der Landwirtschaft;
  • Ökologischer Landbau
  • Agrarfinanzierung
  • Versicherungssysteme in der Landwirtschaft
  • Digitalisierung
  • Bodengesetzgebung und Subventionen
  • Export von Agrarprodukten

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2. Themen

Klimaanpassung und -schutz:
Das Thema Anpassung an den Klimawandel rückt auch in Kasachstan stärker in den Fokus, wobei es im Land noch einer stärkeren Sensibilisierung der wesentlichen Akteure in den Ministerien und der Verwaltung bedarf. Der APD bereitet daher eine Konferenz mit internationalen Beiträgen zum Thema Klimawandel vor, Diese Konferenz wird gemeinsam mit dem International Green Technology and Investment Center (IGTIC), das dem kasachischen Energieministerium untersteht, im Herbst 2019 durchgeführt.

Die Auswirkungen des Klimawandels in Kasachstan zeigen sich konkret in der zunehmenden Wasserknappheit., der größte limitierende Faktor für die Landwirtschaft in der Region. Der Niederschlag ist gering und große Teile der Landwirtschaft Kasachstans und seiner Nachbarn sind in der Bewässerung abhängig von wenigen Flüssen, welche sich aus Gletschern speisen. Mit dem bereits zu beobachtenden Abschmelzen der Gletscher muss mittel- bis langfristig mit einem Austrocknen dieser Flüsse gerechnet werden. Ein weiterer Aspekt ist die bereits zu beobachtenden Veränderung der Niederschläge, die zu anderen Zeitpunkten im Jahr fallen und auch extremer ausfallen:; mit ansteigenden Temperaturen wird es häufiger zu Extremwetterereignissen kommen. Die Landwirtschaft benötigt daher daher unabweislich neue Anbaustrategien und ein angepasstes Weidemanagement.

Ökologischer Landbau (ÖLB):
Zum Thema Ökologischer Landbau konzentrieren sich die Projektaktivitäten des APD auf Beratung zu Gesetzgebung, Zertifizierung und zu den Kontrollsystemen. Der APD hat fachlich zur Verabschiedung des Gesetzes für den Ökologischen Landbau im Jahre 2018 beigetragen sowie auch die Definition der Standards für die ökologische Produktion und Verarbeitung, die Zertifizierung und die Erarbeitung eines Labels unterstützt. Zur Entwicklung und Ausformung zukünftiger Standards wurde das Fachkomitee „Ökologischer Landbau“ geründet, in dem auch der APD vertreten ist.

So wurde auch die Arbeitseinheit „Ökologischer Landbau“ im kasachischen Landwirtschaftsministerium (MoA) eingerichtet.
Zur Sicherstellung der Umsetzung des neuen Öko-Gesetzes führt der APD Seminare für Mitarbeitende von Ministerien, nationalen Instituten und Universitäten zu den Anforderungen an die Produktionsprozesse und zu Zertifizierungsbestimmungen für Fachkräfte durch. Bereits 70 Fachkräfte wurden fortgebildet, um Umsetzung in ihren Organisationen zu verbessern. Auch für Landwirte wurden Seminare durchgeführt: aktuell nahmen 120 Landwirte aus drei Oblasten (Bundesländern) an Fortbildungen zu den Anforderungen an die Produktionsprozesse, die Verarbeitung und die Lagerung im Ökolandbau teil. Der Verband der Kasachischen Bioproduzenten ist 2019 als erste Organisation in Kasachstan Mitglied beim globalen Bio-Dachverband IFOAM geworden. Dies ist auch ein Ergebnis einer Fachinformationsfahrt des Projektes nach Deutschland, u.a. zur BIOFACH in Nürnberg.

Insgesamt konnte der APD maßgeblich zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen, einem größeren Bewusstsein für den Ökolandbau den verbesserten Kenntnissen über Einfuhrbestimmungen von verlässlichen Bio-Produkten beitragen.

Agrarfinanzierung:
Die Finanzierung des Agrarsektors in Kasachstan erfolgt im großen Maße über die staatliche Förderbank „Agrarkreditkorporation (ACC)“. Private Banken scheuen vielfach das Risiko, Investitionen im Agrarsektor zu finanzieren.

Der APD unterstützt ACC insbesondere bei der Stärkung von Agrarkreditgenossenschaften sowie auch beim weiteren Ausbau der ACC in Richtung Förderbank.

Etwa 30 Manager der Kreditgenossenschaften wurden bisher über den APD zu Prozessen bei der Beantragung und Bearbeitung von Krediten fortgebildet. Im Juli 2019 fand eine Studienfahrt mit Vertretern des Verbands der Agrarkreditgenossenschaften und der Partnerorganisation von ACC, KazAgroFinanz, statt: Treffen gab es mit der Deutschen Rentenbank und der DZ Bank in Frankfurt, der Akademie deutscher Genossenschaften in Montabaur sowie der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in eine Entwicklungsstrategie der Agrarfinanzierung und in die Erarbeitung des „Gesetzes zu Kreditgenossenschaften in der Republik Kasachstan“ ein.

Versicherung im Pflanzenbau:
KazAgroGarant, ein Versicherungsdienstleister im Agrarsektor gehört zur staatlichen Holding KazAgro, die eine Reihe von staatlichen Dienstleistungsunternehmen verwaltet.   Versicherungen bilden einen wichtigen Baustein für Investitionen. Wenn Landwirte sich gegen mögliche Einkommensausfälle versichern können, sind sie auch gewillter, einen Kredit aufzunehmen. Des Weiteren fördern Versicherungen Investitionen in der Landwirtschaft, da Investoren und Banken durch sie mehr Sicherheit haben und im Notfall auf sie zurückgreifen können.  Der APD berät Kaz AgroGarant zu grundsätzlichen Fragen in Bezug auf das Versicherungsgesetz und die möglichen Versicherungssysteme (Indexversicherung und Schadenversicherung). Eine wesentliche Empfehlung des Projektes war die Einführung einer indexbasierten Versicherung.

Digitalisierung in der Landwirtschaft:
Dieses Thema ist besonders in den letzten Jahren von zunehmender Bedeutung für die Landwirtschaft.

Ein besonders relevanter Bereich ist die Digitalisierung des Maschinenparks. Neueste GPS-Geräte ermöglichen immer präzisere Aussaaten, Düngergaben sowie auch präziseren Pflanzenschutzmitteleinsatz. Neben positiven wirtschaftlichen Effekten ist eine wesentliche Zielsetzung der Präzisionslandwirtschaft der Umweltschutz und eine Verringerung der Belastung der Böden und der Umwelt. Der APD bringt entsprechende Spezialisten aus diesem Bereich für die Beratung und Schulung der kasachischen Partner ein. Die agrartechnische Universität in Nur-Sultan und das Getreideforschungsinstitut Barayev sollen auf Wunsch der kasachischen Regierung zu Zentren des Precision Farmings aufgebaut werden. Beim Aufbau der Zentren und bei der Einführung von Precision Farming unterstützt der APD beide Einrichtungen mit Experteneinsätzen zu  neuen Technologien in diesem Bereich.

Bodengesetzgebung und Subventionen:
Kasachische Bürger sowie nichtstaatliche juristische Personen der Republik Kasachstan haben das Recht auf Bodennutzung (Pacht) landwirtschaftlich nutzbarer Flächen für einen Zeitraum von 10 bis 49 Jahren. Bis Ende 2015 hatten auch Ausländer und ausländische juristische Personen das Recht, Boden zur landwirtschaftlichen Nutzung für einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren zu pachten. Eine Gesetzesnovellierung hatte das Ziel, dies auf 25 Jahre auszudehnen. Diese Veränderungen haben jedoch gewaltsame öffentliche Proteste in der Bevölkerung ausgelöst und so wurde beschlossen, die Gesetzesinitiative bis 2021 auszusetzen. Durch diese Entwicklung ist die Möglichkeit zur Pacht landwirtschaftlicher Flächen durch ausländische Investoren bis zum Ende des Jahres 2021 ausgesetzt. Einzige Möglichkeit für ausländische Investoren, ist eine Minderheitsbeteiligung (< 50%) an einer kasachischen Gesellschaft.

Die kasachische Regierung hat in den letzten Jahren immer wieder neue Subventionsprogramme für die Landwirtschaft entwickelt, jedoch waren diese selten auf einander abgestimmt. Dies hat zur Folge, dass die Subventionsprogramme sich zum Teil gegenseitig behindern und bei den Landwirten und Investoren für Unverständnis sorgen. Zu diesem Thema hat der APD eine aktuelleStudie erstellt, die einen umfassenden Überblick über Subventionen in der Landwirtschaft gewährt. Somit können sich die kasachischen Partner einen Überblick über die Vielzahl der landwirtschaftlichen Subventionen verschaffen. Diese Studie kann als Ausgangspunkt für die Reformierung des Bereichs dienen.

Export tierischer Produkte:
In Kasachstan ist eine neue Gesetzesinitiative zur Förderung des Exportes von tierischen Produkten in die EU sowie Länder im arabischen Raum geplant. Hierbei möchte Kasachstan die Erfahrungen aus Deutschland in der Erzeugung von Milch- und Fleisch sowie deren verarbeiteter Produkte miteinfließen lassen. Dr. Rainer Gießübel, als Abteilungsleiter im BMEL zuständig für die landwirtschaftliche Erzeugung und die Agrarpolitik, sprach anlässlich einer Anhörung des Agrarausschusses des kasachischen Parlaments über die Erfolgsfaktoren der tierischen Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung im deutschen Agrarsektor und nannte dabei speziell die hohe Spezialisierung und enge Verzahnung des Sektors als größten Faktor.

3. Partner und Kooperationen

Die Hauptzielgruppe und Partner des Projektes in Kasachstan sind die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft im Agrar- und Ernährungsbereich.

Dabei arbeitet der APD eng mit folgenden Institutionen zusammen:

Ministerium für Landwirtschaft:
https://moa.gov.kz/en/index

Agrarausschuss des Parlamentes der Republik Kasachstan:
http://www.parlam.kz/en/mazhilis/persons-of-committee/12

Kreditgenossenschaften:
Finanzinstitut, das im Bereich der Entwicklung des Agribusiness tätig ist:
http://www.kazagro.kz/en/web/acc

Agraruniversitäten:
- S.Seifullin Kazakh Agro Technical University
http://kazatu.kz/en/

- Kazakh National Agrarian University
https://www.kaznau.kz/?lang=en

- Zhangir-Khan West Kazakhstan Agricultural & Technical University
http://www.wkau.kz/index.php/en/

A.I. Barev Forschungs- und Produktionszentrum für Getreideanbau
http://baraev.kz/en/

Als operativer Projektpartner fungiert seit 2016 das Nationale Agrarwissenschafts- und Bildungszentrum (NASEC http://nasec.kz/en), welches die die agrarwissenschaftlichen Institutionen  koordiniert und dem kasachischen Agrarministerium unterstellt ist.

Im Dialog steht der APD auch mit Institutionen und Unternehmen des deutschen Agrar- und Ernährungsbereichs:

Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO):
https://www.iamo.de/

Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (Informationen für das betriebliche und züchterische Management):
https://www.vit.de/

Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des deutschen Bundestags
https://www.bundestag.de/ausschuesse/a10_Ernaehrung_Landwirtschaft

agri benchmark:
http://www.agribenchmark.org/home.html

Uni Hohenheim
https://www.uni-hohenheim.de/startseite

Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf
https://www.hswt.de/

Rentenbank (Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum):
https://www.rentenbank.de/index.html

Akademie Deutscher Genossenschaften (Bildungs- und Qualifizierungsangebot):
https://www.adgonline.de/

Bayerische Staatsministerium für Ernährung
https://www.stmelf.bayern.de/

Deutsche Akkreditierungsstelle (nationale Akkreditierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland):
https://www.dakks.de/

Institut für Binnenfischerei (anwendungsorientierte Forschung für den Binnenfischereisektor):
http://www.ifb-potsdam.de/

„Deutsches Agrarzentrum in Kasachstan“ (DAZ), Zentrum für beruflicher Fortbildung im Landwirtschaftssektor:
http://www.daz-kasachstan.net/

(Stand: Oktober 2019)

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