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Projekte

Fachdialog zur Qualitätssicherung pflanzlicher Erzeugnisse landwirtschaftlicher Urproduktion

Fachdialog zur Qualitätssicherung pflanzlicher Erzeugnisse landwirtschaftlicher Urproduktion

Das Projekt

Effektive nationale Lebensmittelkontrollsysteme sind unerlässlich, um die Gesundheit und Sicherheit von inländischen Konsumentinnen und Konsumenten sicherzustellen. Ein global wachsendes Bewusstsein der Bevölkerung zu Aspekten der Nahrungsmittelsicherheit schließt eine steigende Nachfrage nach besseren Informationen zu der Art und Weise, wie Erzeugnisse produziert werden, mit ein. Eine zunehmend stärkere Verantwortung der Regierungen in Bezug auf Lebensmittelsicherheit und der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher wird eingefordert.

Das ägyptische Ministerium für Landwirtschaft und Landgewinnung (MALR) mit seinen Laboratorien ist neben dem Gesundheitsministerium für die Qualitätssicherung von landwirtschaftlichen Produkten für den lokalen Markt verantwortlich. Das umschließt die Probenahme, Analyse und Auswertung von Proben von Rohwaren, die noch nicht den landwirtschaftlichen Betrieb verlassen haben. Diese Funktion wird von den Verantwortlichen bislang jedoch nur bedingt ausgeübt. Dies hat zur Folge, dass Produzierende die Qualitäts- und Sicherheitsstandards für landwirtschaftliche Erzeugnisse oftmals nicht einhalten. Eine effektive Kontrolle und eine Sanktionierung bei Nichteinhaltung ist derzeit nur unzureichend durch den Staat sichergestellt. Es entstehen erhebliche Risiken durch unkontrollierten Pestizideinsatz und die Ausbringung von Nitraten, Abwässern und Schwermetallen über die Bewässerung.

Das bestehende Inspektionssystem ist zudem eher auf die Identifizierung kontaminierter Produkte als auf eine risikobasierte Vorbeugung ausgerichtet. Die sehr kleinen Betriebsgrößen in der Landwirtschaft erschweren darüber hinaus eine wirksame Inspektion.

Mit dem entwicklungspolitischen Ziel, die regulatorischen Strukturen und Systeme Ägyptens im Bereich Qualitätssicherung zu verbessern und den lokalen Markt mit hochwertigen und sicheren Erzeugnissen landwirtschaftlichen Ursprungs zu versorgen, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen seines bilateralen Kooperationsprogramms (BKP) den deutsch-ägyptischen Fachdialog seit dem 01. Januar 2022.

Projektziel und Aktionsbereiche

Ziel des bilateralen Kooperationsprojektes ist es, die Strukturen und Systeme zur Qualitätssicherung pflanzlicher Erzeugnisse der landwirtschaftlichen Urproduktion auf Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe in Ägypten zu unterstützen. Der deutsch-ägyptische Fachdialog leistet damit einen Beitrag zu einer Minimierung der Kluft zwischen dem für den Export produzierenden Agrar- und Lebensmittelsektor und den zahlreichen Klein- und Kleinstbetrieben, welche Produkte für den einheimischen Markt erzeugen. Direkte Zielgruppe des Fachdialogs sind Führungskräfte, wissenschaftliche und technische Mitarbeitende des Agriculture Research Center (ARC), MALR und anderer staatlicher Stellen (z.B. Labore, landwirtschaftliche Beratungsdienste) sowie Führungskräfte und Mitarbeitende des Privatsektors (z.B. Labore, landwirtschaftliche Beratungsorganisationen). Indirekte Zielgruppe sind Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Produzentinnen und Produzenten ägyptischer Pflanzenerzeugnisse.

Vor dem Hintergrund, dass das MALR als politischer Partner des Projektes hauptsächlich für die Qualität in der landwirtschaftlichen Produktion bis einschließlich Ernte („on-farm“) Verantwortung trägt, ist das Projekt in erster Linie auf Aspekte der Qualitätssicherung auf Betriebsebene ausgerichtet.

Projektansatz

Im Vordergrund des Fachdialogs steht der Austausch von Erfahrungen zu den Funktionsweisen unterschiedlicher Systeme des Monitorings zur Qualitätsüberwachung. Dementsprechend ist die Etablierung eines Monitoring Systems zur Qualitätssicherung in enger Abstimmung mit den ARC Laboren und den lokalen Behörden ein wesentliches Projektergebnis. Hierfür stehen drei Bereiche im Mittelpunkt, die im Rahmen des Vorhabens besser miteinander vernetzt und gestärkt werden sollen:

  • Lokale Behörden: Probenahme zur Überprüfung auf Qualität, Rückstände, Kontaminanten,
  • ARC Laboratorien: Analyse und Auswertung der Proben,
  • Beratungsdienste: Erarbeitung von Empfehlungen und Einarbeitung dieser in die Curricula zur Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben.

In diesem Kontext sind u.a. folgende Maβnahmen vorgesehen:

  • Entwicklung eines gemeinsamen Trainingsprograms zur Stärkung der Kapazitäten der Mitarbeitenden der ARC Labore,
  • Entwicklung von ‘Multi Annual Monitoring Plans’ für Pilotregionen bzw. ausgewählte Kulturen, welche vorgeben, nach welchen Qualitätskriterien, Kontaminanten und Rückständen untersucht werden soll,
  • Stärkung der Zusammenarbeit mit der staatlichen und privaten Agrarberatung.

Die gemeinsame Entwicklung von Analysen und Studien, der Austausch in Arbeitsgruppen, in Seminaren und auf Konferenzen sowie ein Austausch während Fachinformationsfahrten nach Deutschland/Europa sind nur einige der Instrumente für eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens.

Projektpartner und Kooperationen

Politische Partner sind das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das ägyptische Ministerium für Landwirtschaft und Landgewinnung (MALR).

Der operative Partner auf ägyptischer Seite ist das Agriculture Research Center (ARC), mit seinen diversen Laboren.

Das Vorhaben baut auf die Unterstützung verschiedener renommierter deutscher Labore für Lebensmitteluntersuchungen und Labor-Dienstleistungen, die über umfangreiche internationale Erfahrungen in der Lebensmittelanalytik verfügen, auf. Diese Labore werden spezialisierte Kurzzeitfachkräfte zu den genannten Arbeitsbereichen zur Verfügung stellen. Sie werden auch eine wichtige Rolle bei der Durchführung von Fachinformationsfahrten spielen.

Ergänzend dazu kann das Projekt auch auf die Unterstützung durch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) zählen und ist diesbezüglich auch mit der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) im Kontakt.

Durch die Ausrichtung des Projekts auf die Versorgung des lokalen Markts mit hochwertigen und sicheren Produkten ergeben sich Verknüpfungen, Synergien und die Möglichkeiten von Innovationstransfers aus anderen laufenden Gebermaßnahmen (z.B. GIZ, USAID), die bei der Qualitätssicherung in der exportorientierten landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung ansetzen.

Weitere Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Dienstleistern sind in Planung, z.B. Horticultural Export Improvement Association (HEIA), Chamber of Food Industries (CFI).

Das Projekt wird durch die AFC Agriculture & Finance Consultants GmbH durchgeführt.

(Stand: Januar 2022)