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Projekte

Deutsch-Brasilianischer Agrarpolitischer Dialog

Deutsch-Brasilianischer Agrarpolitischer Dialog

Ausgangssituation

Brasilien spielt als bevölkerungs- und ressourcenreiches Land in Südamerika eine entscheidende Rolle in der globalen Agrarproduktion und -versorgung. Darüber hinaus ist es weltweit das Land mit den größten tropischen und subtropischen Waldbeständen und nimmt damit eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der globalen biologischen Vielfalt ein. Vor diesem Hintergrund kommt Brasilien eine wesentliche Bedeutung bei der Lösung globaler Herausforderungen im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes zu. Die Entwaldung steht in engem Zusammenhang mit der Rodung von Land für die landwirtschaftliche Nutzung und zur Exploration von Edelmetallen. Die landwirtschaftliche Produktion und ihre vor- und nachgelagerten Sektoren sind entscheidende Faktoren für die Beschäftigung, die Wirtschaft und den Außenhandel Brasiliens. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei tragen mit etwa 5% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des flächenmäßig größten Landes Südamerikas bei. Bezieht man die Agrarwirtschaft mit ein, liegt der Anteil bei ca. 23% des BIP (Stand 2017). Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten zählen Sojabohnen, Rindfleisch, Zuckerrohr, Geflügel und Mais. Außerdem spielen Kaffee, Kakao, tropische Früchte und verarbeitete Produkte wie zum Beispiel Orangensaftkonzentrat im Handel mit Europa eine zentrale Rolle. Trotz beeindruckender technologischer Fortschritte des brasilianischen Landwirtschaftssektors ist die Ausweitung der Anbaufläche durch Rodung ein rückständiges, umweltschädliches, aber in vielen Regionen derzeit noch weit verbreitetes Instrument zur Steigerung der Produktion. Den Agrarsektor in einer sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Weise weiterzuentwickeln, die den Zielvorgaben des Pariser Klimaabkommens entspricht, steht im Fokus der bilateralen Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit Brasilien.

Projektziel und Aktionsbereiche

Der Agrarpolitische Dialog (APD) ist in der Zusammenarbeit mit Brasilien ein neues Projektformat, das zunächst in einer 14-monatigen Vorphase etabliert wird. Ziel ist hierbei, dass politische Entscheidungsträger sowie Fach- und Führungskräfte des deutschen und brasilianischen Agrarsektors über ein besseres gegenseitiges Verständnis in zentralen agrarpolitischen Fragen verfügen. Langfristig soll der APD einen Beitrag leisten, die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zur Weiterentwicklung eines nachhaltigen und klimafreundlichen Agrarsektors auf verschiedenen Ebenen zu verbessern. Vor diesem Hintergrund werden in den ersten 14 Monaten Aktivitäten in drei Bereichen durchgeführt:

1. Aufbau der Organisations- und Steuerungseinheiten des APD

Im Zuge der Vorphase steht die Etablierung des APD mit einer funktionsfähigen Organisations- und Steuerungseinheit im Vordergrund. Die Aktivitäten im ersten Ergebnisbereich fokussieren sich auf die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses über die Möglichkeiten und Grenzen des APD, als gemeinsames Dialogformat, zwischen deutschen und brasilianischen Akteuren.

2. Etablierung von zwei thematischen Arbeitsgruppen: Agrarfinanzierung und nachhaltige landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten

Der APD soll einen deutsch-brasilianischen Dialog über moderne Mechanismen der Agrarfinanzierung sowie über die Effizienz- und Nachhaltigkeitssteigerung in ausgewählten Wertschöpfungsketten sicherstellen. Diese werden im Rahmen der Vorphase gemeinsam mit den brasilianischen Partnern diskutiert und definiert. Übergeordnetes Ziel ist, die Flächennutzung effizienter und nachhaltig zu gestalten, um so einen Beitrag zur Reduzierung des Entwaldungsdrucks zu leisten.

3. Aufbau eines deutsch-brasilianischen Bioökonomie-Netzwerks  

Im Zuge der Vorphase sollen bereits bestehende, deutsch-brasilianische Kooperationen und Netzwerke in den Bereichen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zum Thema Bioökonomie analysiert werden. Anschließend wird geprüft, inwieweit der APD diese begleiten und unterstützen kann und wie Synergien genutzt werden können. Das Ziel ist nicht, ein neues Netzwerk aufzubauen oder einzelne Forschungsprojekte zu fördern, sondern bestehende Netzwerke in ihrer Tätigkeit zu begleiten, zu unterstützen, zu verbinden und damit Synergien herzustellen.

Zielgruppen

Direkte Zielgruppe des Vorhabens sind politisch Verantwortliche sowie Fach- und Führungskräfte des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums und weitere wichtige gesellschaftspolitische Akteure des Sektors.

Darüber hinaus richtet sich der Agrarpolitische Dialog (APD) auf die Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Privatwirtschaft und aus dem Bereich der Familienbetriebe sowie mit Interessenvertreterinnen und -vertretern aus relevanten zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Institutionen, die im Bereich der  Landwirtschaft und des Umwelt- und Klimaschutzes tätig sind.

Projektpartner und Kooperationen

Die politischen Projektträger sind das brasilianische Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Versorgung (MAPA) und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Mit der Durchführung des Projektes ist die IAK Agrar Consulting GmbH (www.iakleipzig.de) beauftragt, der operative Partner auf brasilianischer Seite wird im Laufe der Vorphase identifiziert. Ein wichtiger Partner für den Bereich Bioökonomie ist das Deutsche Biomasseforschungszentrum DBFZ (www.dbfz.de).

Weitere Partner für die Projektdurchführung kommen aus den Agrarsektoren Deutschlands und Brasiliens und decken die Bereiche Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Zivilgesellschaft ab.

(Stand: Mai 2021)