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Argentinien

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Die Landwirtschaft übernimmt in Argentinien eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung. Der exportorientierte Agrarsektor stellt die wichtigste Wirtschaftskraft und Devisenquelle dar.

Die Größe des Landes und insbesondere die Nord-Süd-Ausdehnung führt dazu, dass in Argentinien verschiedenste Klimazonen zu finden sind. Das Land verfügt über tropische Gebiete im äußersten Nordosten, subtropische im restlichen Norden und eine ausgedehnte gemäßigte Klimazone bis hin zu kalten Klimaregionen im Süden. Entsprechend seiner sehr unterschiedlichen Klimazonen variieren auch die Ökoregionen stark, von Hoch- und Halbwüsten, über tropische Nebelwälder, den Chaco und die Pampa sowie Savanne, Buschland und magellansche subpolare Wälder. Die enorme Vielfalt der landwirtschaftlichen Standorte die sich dadurch ergibt, trägt dazu bei, dass eine breite Palette landwirtschaftlicher Produkte erzeugt werden kann. Dazu gehören unter anderem Schaf- und Rinderzucht, Obstanbau, Wein-, Oliven- und Gartenbau, Anbau von Zuckerrohr, Zitrusfrüchten und Bohnen sowie die Erzeugung von Yerba Mate, Tee und Reis sowie weitere Ackerfrüchte wie Weizen, Mais, Soja, Sorghum, Sonnenblumen, Gerste, Baumwolle und Raps.

Der Landwirtschaftssektor bewirtschaftet insgesamt über 150 Mio. Hektar Land. Dies entspricht fast
4,5-mal der Fläche Deutschlands. Rund ein Drittel aller Arbeitsplätze hängen in Argentinien direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab. Rein rechnerisch kann die Landwirtschaft mit ihrer Produktion gegenwärtig rund 400 Mio. Menschen ernähren. Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel dominieren den argentinischen Außenhandel und stellten 2019 rd. 60 % der gesamten Ausfuhren des Landes. Unter Berücksichtigung der „non food“-Agrarprodukte erhöhte sich dieser Anteil sogar auf rd. 70%. Weltweit rangiert Argentinien als zehntgrößter Agrarexporteur und ist nach Brasilien zweitgrößter Agrarnettoexporteur Lateinamerikas. Hauptexportprodukte des Landes sind u.a. Soja, Mais, Weizen und Rindfleisch. Ebenso verfügt das Land über eine leistungsfähige Produktion von Agrartechnik.

Die argentinische Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen bemerkenswerten Produktions- und Strukturwandel sowie Innovationsprozess durchlaufen, wenngleich die Fortschritte in den einzelnen Regionen unterschiedlich ausfielen. Während die Regionen außerhalb der zentralargentinischen Pampa eine geringe Dynamik aufwiesen, erlebte die Pampa mit der Einführung neuer Technologien wie Direktsaat und gentechnisch veränderten Sorten sowie der Ausweitung der Sojaproduktion einen bemerkenswerten Anstieg der bewirtschafteten Ackerfläche und der Produktivität der Kulturen. Die Innovationen haben sich auch auf die Organisationsstrukturen ausgewirkt. Mit neuen Rollen und neuen Akteuren wie großen Dienstleistungsunternehmen, Saatgutpools und Innovationsverbänden von Landwirtinnen und Landwirten hat der Privatsektor den Innovationsprozess als Reaktion auf wirtschaftliche Anreize angeführt. Die Politik spielte eine wichtige Rolle bei der Schaffung von grundlegendem und angewandtem Wissen und der Erleichterung seiner Verbreitung und Übernahme, insbesondere durch das Nationale Institut für Agrartechnologie (INTA).

Der Innovationsprozess und die Ausweitung der landwirtschaftlichen Grenzen haben dem Sektor neue Möglichkeiten eröffnet, aber auch den Druck auf die Umwelt deutlich erhöht. Landnutzungsänderungen, insbesondere durch die Entwaldung des Chaco Trockenwaldes im Norden Argentiniens für die Expansion von Ackerland und Weiden, verursachen die mit Abstand höchsten Treibhausgasemissionen Argentiniens. So wurden zwischen 1985 und 2013 20% des Waldbestandes im argentinischen Chaco in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Die Entwaldungsraten sind nach wie vor hoch und geben Anlass zur Sorge, ebenso hat der Einsatz von Pestiziden in ganz Argentinien zugenommen. Vor dem Hintergrund der starken Exportnachfrage und der Senkung der Ausfuhrsteuern auf die wichtigsten Exportgüter konnten Rechtsvorschriften wie das Gesetz über einheimische Wälder die Abholzung nicht eindämmen, und umweltfreundlichere Praktiken sind dringend erforderlich. Insbesondere private Unternehmen der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung sowie staatliche und private Institutionen der angewandten Agrarforschung sind bereits sehr aktiv in der Entwicklung von innovativen Lösungsansätzen für umweltschonendere Agrartechnologien (AgTech) und von nachhaltigeren Nutzungssystemen. Jedoch steht die schnelle Entwicklung von Innovationen im Bereich der Agrartechnik einem zögerlichen Genehmigungsverfahren in den Behörden und einer langsamen Verbreitung neuer Technologien im Allgemeinen gegenüber. Die argentinischen Forschungseinrichtungen wie INTA und der Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Forschung (CONICET), sind teilweise aktiv in Forschungsprojekte in Form von Agrartechnologie Kooperationen mit Start-Ups eingebunden. Diese Institutionen sind zwar für die Validierung neuer Technologien wichtig, aber ihre Zeitvorgaben eignen sich oftmals nicht für Start-ups, die zeitnahe Ergebnisse benötigen.

Argentinien steht somit aktuell vor der Herausforderung, seine Produktions- und Verarbeitungsprozesse nachhaltiger und klima- und umweltfreundlicher zu gestalten. Gleichzeitig müssen Konsumentenerwartungen hinsichtlich nachweisbar gesunder Lebensmittel sowie entsprechender Importauflagen wichtiger Exportmärkte, wie der Europäischen Union, stärker berücksichtigt und innovative Ansätze entwickelt werden.

Vor diesem Hintergrund wird ein Projekt des Bilateralen Kooperationsprogramm des BMEL (BKP) „Deutsch-argentinischer Fachdialog zu Innovationen für eine klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft“ seit November 2021 durchgeführt. Der bilaterale Dialog über nachhaltige landwirtschaftliche Innovationen nutzt Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer, um die Verbreitung von Innovationen im argentinischen Agrarsektor zu fördern. Auf diese Weise zielt das Projekt darauf ab zu einer nachhaltigen, klima- und umweltfreundlichen Landwirtschaft beizutragen.

(Stand: Januar 2022)