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Ägypten

Ägypten

Ägypten ist eines der ältesten landwirtschaftlichen Zivilisationen. Vor Tausenden von Jahren entwickelte sich aufgrund der Lage des Nils und dessen fruchtbarem Schwemmland, das durch saisonale Flussüberschwemmungen entstand, eine sesshafte Agrargesellschaft. Diese wurde für ihre Beckenbewässerung berühmt.

Heutzutage spielt die Landwirtschaft noch immer eine entscheidende Rolle für die ägyptische Wirtschaft. Die ländliche Bevölkerung stellt mit schätzungsweise 58% die Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohner Ägyptens. Auf den Agrarsektor entfällt der größte Teil des nationalen Wasserverbrauchs, da die ägyptische Landwirtschaft fast gänzlich auf Bewässerung angewiesen ist. Ägypten befindet zum größten Teil im subtropischen Trockengürtel. Dementsprechend fallen im Durchschnitt in Ägypten weniger als 80 mm Niederschlag im Jahr. Ausnahmen stellen die Mittelmeerküste mit gemäßigt mediterranen Klima sowie die Region am Roten Meer mit feuchtheißem Klima. Ein moderates Klima herrscht auch in der Region Mitteldelta und Mittelägypten in dem sich das fruchtbare Schwemmland befindet.

Die durchschnittliche Betriebsgröße ist sehr klein: Etwa 70% der landwirtschaftlichen Betriebe haben weniger als einen halben Hektar Land. Für den lokalen Konsum spielen die Erzeugung und Verfügbarkeit von Weizen eine wichtige Rolle. Ägypten war 2020 der weltgrößte Weizen-Importeur. Etwa 65% des gesamten landwirtschaftlichen BIP entfallen auf die Pflanzenproduktion. Zu den Feldfrüchten gehören Getreide (Weizen, Mais, Reis, Sorghum und Gerste), Faser und zuckerhaltige Pflanzen (Baumwolle, Flachs, Zuckerrohr und Zuckerrüben), Hülsenfrüchte (Ackerbohnen, Linsen und Kichererbsen), Ölsaaten (Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Sesam und Erdnüsse) und Futterpflanzen (Ägyptischer Klee, Luzerne).

Die größten agrarökologischen Probleme, mit denen Ägypten konfrontiert ist, sind einerseits der Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche aufgrund von Urbanisierung, Wüstenbildung und einer Überbewirtschaftung von Ackerland. Dieses führt zu einer Verringerung der Bodenfruchtbarkeit. Zudem verschlechtert sich die Bodenqualität aufgrund von Versalzungsprozessen, die teilweise auf den Bau mehrerer größerer Bewässerungsprojekte in Wüstenregionen in den vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen sind. Andererseits sind der übermäßige Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, ein unzulängliches Abwasserentsorgungssystem und unkontrollierte Industrieabwässer die Ursache, warum Wasserverschmutzung und Wasserknappheit in der Region immer ernstere Ausmaße annehmen.

Im Agrarsektor wird Ägypten zukünftig vor der Herausforderung stehen, neue Ackerflächen zu entwickeln, die Boden- und Wasserqualität zu verbessern und mit Lebensmittelverlusten nach der Ernte aufgrund unzureichender Lagermöglichkeiten umzugehen. Nach Angaben des Weltklimarates werden sich der kontinuierliche Anstieg der Durchschnittstemperatur der letzten Jahre sowie die Abnahme des jährlichen Niederschlags im gesamten Mittelmeerraum weiter fortsetzen, was zu einer Verringerung des Oberflächenabflusses und der Grundwasserneubildung führt. Eine Verstärkung der Sommerextreme, die für den Nahen Osten vorhergesagt werden, bedroht die landwirtschaftliche Erzeugung Ägyptens.

Seit einigen Jahren ist das Ziel eine Verbesserung der Lebensmittelsicherheit in Ägypten in den politischen Fokus gerückt, nachdem es zu einigen Lebensmittelskandalen im Zusammenhang mit lokal konsumierten Produkten sowie Exportprodukten kam.

Das System der Lebensmittelüberwachung unter der hierfür zuständigen Behörde erfuhr in den letzten Jahren starke finanzielle und technische Unterstützung von der ägyptischen Regierung und von verschiedenen Geberorganisationen. Der Fokus lag stark auf Exportprodukte. Das Monitoring von Produkten landwirtschaftlicher Urproduktion erhielt hingegen in den letzten Jahren kaum Unterstützung. Ein erklärtes Ziel der ägyptischen Regierung ist es, die Sicherheit der Produkte auf dem lokalen Markt genauso zu gewährleisten, wie für den Export.

Vor diesem Hintergrund wird ein Projekt des Bilateralen Kooperationsprogramm des BMEL (BKP) „Deutsch-ägyptischer Fachdialog zur Qualitätssicherung pflanzlicher Produkte“ seit Januar 2022 durchgeführt. Dieses Projekt ist eingebettet in das Afrika-Konzept des BMEL, das einen Beitrag zur Erreichung der „Sustainable Development Goals“ (SDGs) leisten soll. Der Fokus liegt auf der Reduzierung von Hunger und Armut in Afrika und der Förderung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung auf dem gesamten Kontinent.

Das BKP- Projekt zielt darauf ab, die Qualitätssicherung für pflanzliche Produkte auf dem lokalen Markt zu verbessern und fügt sich ideal in die Absicht des BMEL ein, den Lebensmittel- und Agrarsektor Ägyptens zu stärken.

(Stand: Januar 2022)